07 AM | 16 Okt

Bibliothek 2.0 auf der Buchmesse: Wenig Bibliothek, viel Web 2.0

Steffen Büffel berichtet in seinem Blog „Media Ocean“ über die Bibiothek 2.0 Veranstaltung auf der Buchmesse, die ohne Bibliothekar auf dem Podium stattgefunden hat (was Steffen auch auf der Veranstaltung kritisiert hat):

Nachdem sich im Publikum dann tatsächlich Bibliothekare sowohl aus wissenschaftlichen, als auch aus nicht-wissenschaftlichen Bibliotheken zu Wort gemeldet hatten, ging es dann noch länger darum, wie sich Bibliotheken nun am besten git machen für die Herausforderungen aber auch die Möglichkeiten, die sich im Web 2.0 für sie ergeben. Hier ist natürlich die Trägheit gerade im aufgeblähten universitären Verwaltungsapparat von Nachteil, da man im Vergleich zu kommerziellen Unternehmungen nicht so schnell und auch nicht mit der direkt verfügbaren Finanzkraft in neue Bereiche einsteigen kann. Dennoch wurde deutlich, dass in den Bibliotheken, gerade in den wissenschaftlichen, einiges an Innovationskraft und -wille schlummert, den es in den nächsten Jahren systhematisch zu aktivieren gilt. Diverse Initiativen und Förderbestrebungen von Seiten der DFG beispielsweise kamen dabei zur Sprache.

Für mich klingt es dann auch mehr danach das hauptsächlich über Web 2.0 geredetet wurde und am es am Rande auch um die Zukunft der Bibliotheken ging. Ein großes Thema war auch der Dienst LibraryThing (immerhin hatte Abebooks, 40%iger Besitzer von LibraryThing die Runde veranstaltet), der sicher auch sehr spannend ist, jedoch fehlt mir der Brückenschlag von der reinen Technik zu den eigentlichen Herausforderungen der Bibliothek 2.0. Diese sind meiner Meinung nach organisatorische Aspekte und ein Umdenken in den Köpfen von Bibliothekaren. Das die langsame Einführung von Web 2.0 Diensten in Bibliotheken nur auf die langsamere Verfügbarkeit von Geld zurückzuführen ist, halte ich für ertwas kurz gegriffen. Hier spielen sicher auch bibliothakrische „Tradtionen“ eine große Rolle.

Mir persönlich ist das alles doch etwas sehr unkonkret, aber man darf gespannt sein was sich im Bereich der Bibliotheken verändert. Ein Verständnis für die Technik des Web 2.0 ist sicher eine Vorrausetzung um zur Bibliothek 2.0 gelangen zu können. Ich sehe zur Zeit leider noch keine größere Bewegung im deutschsprachigen Raum, jedoch würde ich mich sehr gerne von Gegenteil überzeugen lassen.

[via Media Ocean]

Nachtrag: Im Blog von Angela Reinhardt erfährt man warum kein Bibliothekar auf dem Panel war: Abebook hat einfach keinen gefunden der im Thema war. Ich hoffe, dass sich das allmählich ändert. 😉

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5 Comments

  • Hi Patrick! Ich kann Deine Anmerkungen unter der Zitatstelle von mir nur doppelt und dreifach unterstreichen. Es wäre ein Fehler zu denken, mit der Technik allein könne man Zaubern und alles super zukunftsfähig machen. Geld ist sicherlich auch nicht das alleinige Mittel, aber gerade im Bereich Weiterqualifikation/ Weiterbildung für Bibliothekare bzw. die Anstellung von in Sachen Webtechnologien bereits gut qualifizierten MitarbeiterInnen könnte gutweiterhelfen. Dennoch hast Du recht, die Veränderungen müssen von innen heraus und in den Köpfen der Bibliothekare selbst verankert sein. Ein Umdenken muss stattfinden und man sollte die Angst abbauen, dass durch Tagging und Co. die etablierten alten Tradtionen des Hand- und Denkwerks über Bord gehen. Vielmehr könnten durch geschickten EInsatz von Weblogs, Rss, Wikis, Tagging und Bookmarking-Systemen die Traditionen bewahrt, gestärkt und vor allem zukunftsfähiger gemacht werden. Die Bibliothek muss ihre Einwegkommunikation der reinen Informationsbereitstellung und -vermittlung öffnen in Richtung echter interaktiver Dienste, die dem Kunden einen Rückkanal zur Bibliothek und untereinander geben.

    Nicht zur Rechtfertigung, aber zur Transparenz: Dass das Panel im Endeffekt zunächst sehr technisch angelegt war liegt daran, dass der Moderator in der Vorabkonzeption hier den Schwerpunkt gelegt hatte. Hier ist Harald der Experte, ich habe eher versucht die – wenn man so will – medienhistorischen Hintergründe und die soziologischen Veränderungen anzudeuten, die u.a. mit den Technologien bzw. durch deren massenhaften Gebrauch der User angeschoben werden.

    p.s. Auch wenn Abebooks es anders darstellt: Der Eindruck, dass das Panel (auch) zu PR-Zwecken dienen sollte, ist auch bei mir nicht wirklich auszuräumen. Dennoch fand ich es eine interessante Runde, die trotz der knappen Zeit in der zweiten Runde ein paar wichtige Diskussionen angestossen hat, die in weiten Teilen auch zu Deiner Argumentation passen.

    16. 10. 2006 09:06
  • Pingback:

  • Vielen Dank Steffen, für den Kommentar und den zusätzlichen Informationen und Eindrücken zu der Veranstaltung. Da ich alles nur aus zweiter Hand bewerten kann, und es leider keine Aufzeichnung der Veranstaltung gibt, ist es mir nur möglich mich auf die publizierten Informationen zu beziehen und daraus meine Eindrücke abzuleiten. Dies erzeugt automatisch ein verzerrtes Bild, was mir durchaus bewusst ist, insbesondere da ich außer deinem Bericht bisher keinen anderen gefunden habe.

    Außerdem denke ich, dass eine Veranstaltung auf der Buchmesse immer, in gewissem Umfang PR Zwecken dient.

    16. 10. 2006 09:40
  • Ich glaube wenn Abebook jemanden vom Netbib-Team gefragt hätten, hätten die sicherlich jemanden zum Thema bekommen können… 😉
    Ad Astra

    18. 10. 2006 14:56
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