09 AM | 25 Jun

Kritik an „21 gute Gründe für gute Bibliotheken“ (Teil 3 von 5)

7. Bibliotheken sind Allrounder Diesmal wird beschreiben das Bibliotheken alle Informationen besorgen können, zuzusagen als Informationssupermarkt. Hier gibt es nichts zu meckern.

8. Bibliotheken sind Spezialisten Die Aussage das Bibliotheken unterschiedlich sind und unterschiedliche Schwerpunkte haben kann man auch ohne weiteres stehen lassen.

9. Bibliotheken sind nicht kommerziell In diesem Absatz gibt es ein wenig Google Lästern (mann kann es auch als Bashing bezeichnen) :

“Wenn Sie irgendwo nach speziellen Daten und besonderen Publikationen suchen, finden Sie sicher jemanden, der sie Ihnen verkauft.Kann auch sein, dass Sie erst einmal nichts bezahlen müssen – aber dann entscheidet wahrscheinlich, wie bei Google, irgendeine Verlinkungsquote oder ein undurchsichtiger Algorithmus darüber, ob und in welcher Reihenfolge Sie Dokumente zu sehen bekommen.“

Das es auch andere Ansätze im Internet gibt kommt hier zu kurz und auch bei einer Recherche im OPAC weiß man nicht immer warum die Dokumente einem in dieser Reihenfolge präsentiert werden. Die Kritik gegen Google ist zwar prinzipiell richtig, ich bin mir aber nicht so sicher, ob dies wirklich in das Papier gehört. Dadurch entsteht einfach ein leichter internetfeindlicher Beigeschmack, der durch das Beschreiben eine positiv Beispiels aus dem bibliothekarischen Bereich überwunden werden könnte. Leider fällt mir gerade nicht ein welche bibliothekarische Suchmaschine ihr Rankingverfahren gut dokumentiert. Wer hier ein gutes Beispiel kennt, kann gerne einen Hinweis in den Kommentaren hinterlassen.

10. Aber Bibliotheken sind wirtschaftlich Hier wird auf die Haushaltslage von Bibliotheken eingegangen. Vielleicht wäre es hier noch gut einzubringen, das Untersuchungen ergeben haben, dass jeder in Bibliotheken investierte Euro 5,60 € erwirtschaftet, wie in einer Studie (Blanck, Sandra: Wert und Wirkung von Bibliotheken. In: BIT-Online Innovativ. Wiesbaden: Dinges & Frick, 2006 [BIT Online Innovationspreis 2006]) anhand der Stadtbibliothek Berlin Mitte festgestellt wurde. Leider sit die Studie nicht frei verfügbar, aber zitiert im Vortrag von H.C. Hobom „Rechnen sich Bibliotheken? Vom Nutzen und Wert ihrer Leistungen“.)

11. Prima Klima in der Bibliothek Knappe Aussage Neue Bibliotheken sind schön alte Werte bleiben erhalten. Eigentlich eine ähnliche Aussage wie in 3. nur auf Erwachsene gemünzt. Auch hier gibt es nichts wirklich auszusetzen.

12. www.schon-bist-du-in-der-bibliothek.de! Hier geht es schon wieder um Bücher, Klaus Binder schreibt keinen Aufsatz für ein Onlien-Journal oder für eine Zeitschrift, er könnte aber auch einen Beitrag für ein wissenschaftliches Blog verfassen, aber nein es natürlich wieder ein Buch. Dabei könnte man hier ganz geschickt nebenbei zeigen, wie selbstverständlich neue Medienformen für Bibliotheken sind. Die Wikipedia als Einstiegsquelle kommt hier ganz gut weg.Aber :

„Aber irgendwann, bevor man wirklich hineinschauen kann, muss man sich registrieren. Und dann muss man entweder bezahlen, oder man ist via Internet, wie schön, doch wieder in einer Bibliothek.“

Das Internet als Bezahlfalle wo gute Information etwas kostet, müssen diese Klischees wirklich sein? Und ich frage mich wganz nebenbei, wo es all die einfach zu bedienenden Bibliotheks-Suchmaschinen geben soll? Und vor allem wie man diese finden soll? Es gibt doch so viele Bibliotheksportale: ViFas, Vascoda, BASE, Internetbibliothek, der reinste Portaldschungel.

Naja, im Zweifel fragt man halt doch besser die Bibliothekarin. Wieder ein typisches Klischee, kann man hier nicht mal ein wenig „gendern“ und auch mal den Bibliothekar oder von mir aus auch die BibliothekarIn fragen, im Auskunftsdienst sind zwar eine Mehrzahl an Frauen beschäftigt, aber gerade dann sollte man doch darauf achten, dass der Beruf nicht als reiner Frauenberuf klassifiziert wird oder?

Am Donnerstag folgen dann die Gründe 13-19, die meiner Meinung die schwächsten Teile des Papiers enthalten, aber auch einige gelungene Abschnitte, doch dazu morgen mehr.

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10 Comments

  • jge

    Hier bin ich mal mit Ihnen einer Meinung :-). Öffentliche Bibliotheken sind nicht kommerziell, scho recht, aber Bibliotheken stehen unter Rechtfertigungsdruck (wie man ja an dem Papier sieht), und der kann gleiche Wirkungen erzeugen wie das Blicken auf den Shareholder value.
    Abgesehen davon ist das Google-Bashing wenig überzeugend, denn das Ranking von Google ist allemal dem überlegen, was mir der (mein) OPAC bietet — mal sehen, wie sich das ändert, wenn die OPACs in Bayern mit FAST gepimpt wurden. Und ohnehin gibt es ja mindestens eine deutsche Bibliothek, die mit Google kooperiert (und dafür Öffentlichkeitsarbeit betrieben hat, die viele Bibliotheken überragt): ist die dann „undurchsichtig“?

    Ad 10. Hier fehlt natürlich das Goethe-Zitat mit den „unberechenbaren Zinsen“ der Bibliothek

    25. 06. 2008 13:24
  • Patrick Danowski

    Schön das wir auch mal einer Meinung sind. Diskutieren bei verschiedenen Meinungen macht aber auch Spaß :-)

    25. 06. 2008 14:02
  • Dörte

    Wenn das Paper für Politiker gedacht ist: Wissen diese denn wirklich schon etwas mit der schönen neuen Web 2.0-Welt anzufangen?

    25. 06. 2008 16:16
  • Patrick Danowski

    @Dörte: Hmm bisher habe ich doch kaum in Richtung Web 2.0 argumentiert. Es ging um die Frage Online und Print Medien sowie den Umgang mit Google. Das Thema Web 2.0 könnte man an einigen Stellen nur geschickt einbauen und zwar so das es nicht nach etwas besonderem klingt, sondern als wenn es etwas ganz alltägliches wäre (was es bei unser Arbeit auch sein sollte) Doch dazu komme ich morgen 😉

    25. 06. 2008 16:34
  • K.P.

    „kann man hier nicht mal ein wenig “gendern”“

    Ehrlich gesagt bin ich langsam ein wenig genervt von dieser „genderei“.
    Frauen beschweren sich, dass nicht überall „Innen“ hinter den Bezeichnungen stehen, Männer darüber das immer Bibliothekarin da steht.

    Beim vielen „da stehen“ bleibt die Frage: sollten wir nicht da drüber stehen?

    Also wenn wir bei solchen Kritikpunkten sind, muss es ziemlich gut laufen, ich finde diesen Kritikpunkt unendlich redundant.
    Valide Informationen sind letztlich auch im Internet oft kostenpflichtig. Ich sehe das nicht als Klischee.

    27. 06. 2008 18:42
  • Patrick Danowski

    @K.P. : Zum Thema gendern: Ich bin oft auch kein Fan des genderns, jedoch sollte man in einem politischen Papier da etwas mehr aufpassen als sonst. Zu Thema kostenpflichtig: Das sehe ich total anders, wenn man sieht das Spiegel und Fokus die Archive geöffnet haben, die NY Times wieder kostenlos wird und es eine boomende Zahl von Watch- und Wissenschaftsblogs gibt denke ich das es zunehmend kostenlose Informationen gibt die genauso valide sind wie die aus gedrucktem Material. Bibliotheken können aber Lotzen zu solchen validen Angeboten sein. Daher empfinde ich das sehr wohl als Klischee das gute Information im Internet ganz schnell etwas kostet. Umgekehrt heiß es auch nicht das Informationen die im Netz etwas koste auch valide sind.

    30. 06. 2008 10:02
  • K.P.

    @Patrick Danowski

    Also den Spiegel und Fokus als Beispiel kann ich so nicht nachvollziehen. Diese Magazine haben keinen wissenschaftlichen Hintergrund (zumeist) und darin befinden sich lediglich recherchierte Artikel, deren Wahrheitsgehalt man als Leser nicht immer nachvollziehen kann und wohl auch im Können des Journalisten liegen.
    Aber hier gilt wohl die Frage zu klären, an welcher Stelle Information nachvollziehbar valide ist.
    Sicher können Bibliotheken Lotsen zu solchen validen Angeboten sein (sind sie ja auch schon bei Büchern immer und teilweise auch im Internet), dem widerspricht ja niemand. Nur, da bleiben wir unterschiedlicher Meinung, kostenlose und valide Informationen aus dem Internet sind meiner Meinung nach oft kostenpflichtig.

    30. 06. 2008 21:13
  • Patrick Danowski

    Wissenschaftlich wird es einfach noch leichter bei den ganzen Open Access Journalen (z.B. 3481 Journale im DOAJ) inzwischen gibt es auch viele Peer Review Journale die Open Access sind. Und hierbei handelt es sich um wissenschaftlich geprüfte Informationen oder nicht? Daher landet man meiner Meinung nach immer seltener vor Bezahlgrenzen im Netz und selbst wenn lassen sie sich manchmal dank Selbstarchivierung der Wissenschaftler umgehen. Die Frage was wirklich geprüft Informationen sind stellt sich inzwischen sogar die Wikipedia, die plant geprüfte Versionen einzuführen.

    1. 07. 2008 16:37
  • K.P.

    So, nachdem ich einmal in innere Klausur gegangen bin 😉 oder anders gesagt, die Gelegenheit genutzt habe mit Wissenschaftlern eines Fraunhoferinstituts zu sprechen, muß ich ehrlich sagen, bin ich in meiner Meinung bestärkt, dass Open Access eine Rolle spielt, aber noch lange keine so große wie sie Propagiert wird. Auch greift der Wissenschaftler, so war in aus den Gesprächen zu erfahren, zum Internet um Sucheinstiege zu erleichtern und Literatur allenfalls zu suchen. Letztlich führt der Weg zumeist zu Büchern oder eben der guten alten SUBITO – Bestellung, einfach weil die Open Access Angebote nicht ausreichen um den Forschungsbedarf zu stillen, und die Artikel-Preise bei den großen Verlagen der Welt unverschämt sind.
    Peer Review hingegen spielt doch eine sehr wichtige Rolle.
    Die Möglichkeiten des Internet sind unglaublich, die Schwierigkeiten im Umgang mit selbigem jedoch auch.

    Ich sage es gerne immer wieder, mir wird in der gesamten Diskussion zur Veränderung des Bibliothekswesens zu sehr der Ort der Bibliothek vergessen. Ich halte diese Diskussion auch noch lange nicht für beendet oder gar mehrheitlich entschieden. Viel mehr sollte man sich doch an einer Mischung aus Informations- und Lesekompetenzvermittlung versuchen, und dem jeweiligen Menschen überlassen wie er diese Nutzen möchte. Es ist lange nicht so, dass jeder Internetnutzer einen Blog hat, nicht annähernd die Mehrheit hat dies. Es bleibt abzuwarten wie die Entwicklung weiter geht. Wir sollten nicht jetzt eine Richtung festfahren, sondern Neuheiten integrieren in unsere alltägliche Arbeit.

    Veränderung ist beständig :)

    Daran sollten wir uns orientieren…

    3. 07. 2008 01:05
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