12 PM | 02 Jun

Informationspraxis- ein neues bibliothekarisches OA Journal mit (noch) vielen Hindernissen

Es macht die Runde: neues deutschsprachiges Bibliotheks Open Access Journal wird starten. Informationspraxis ein Projekt initiiert von Rudolf Mumenthaler und Lambert Heller und in der Vergangenheit schon unter dem Schlagwort #newlis diskutiert.

Wie auch schon in der Vergangenheit in der #newlis Diskussion sehe ich dies Projekt nicht ohne Hindernisse, auf die ich in meinem Beitrag kurz eingehen möchte. Diese lassen sich in die Bereiche Autoren, Leser, Qualitätskontrolle und Unabhängigkeit einteilen.

Autoren

Aus meiner Erfahrung im Herausgeber Gremium der VÖB Mitteilungen (die übrigens ein deutschsprachiges Open Access Journal darstellen) weiß ich das es immer eine Herausforderung darstellt Beiträge einzuwerben, im Gegensatz zu anderen wissenschaftlichen Disziplinen haben wir im deutschsprachiges Bibliotheksbereich kein Überangebot von Artikeln. So dass es leider nicht der Fall ist, das man sich eine größere Ablehungsquote leisten kann was sich wiederum auf die Qualitätskontrolle auswirkt.

Noch schwieriger wird es wenn das Konzept der Themenhefte anstrebt was sicherlich für den Leser attraktiver ist da er eine größere Übersicht zu einem Thema erhält jedoch eine weit intensivere Ansprache von Autoren erfordert.

Leser Auch wenn derzeit das Konzept der Zeitschrift extrem weit aufgestellt ist (wie eigentlich bei den meisten deutschsprachigen Bibliothekarische Zeitschriften wird sich ein gewisses Profil herausbilden. Hier wird sich zum einen die Frage stellen wie genau dieses ausgerichtet sein wird (eher wissenschaftlich oder doch eher praktischer). Wenn man sich die Liste der Initiatoren anschaut würde ich eher auf einen stark wissenschaftlich geprägten Anspruch tippen.

Hier stellt sich dann die Frage, wie groß die potenzielle Leserschaft sein wird. Ein starker Praxisbezug würde die Zeitschrift für eine breite Leserschaft aber sicher interessanter machen. Zusätzlich stellt sich die Fragendes Verhältnisses zu bestehenden Biblioblogs. Was sind die Unterschiede, was motiviert mich als Blogautor in einer rein elektronischen Zeitschrift zu publizieren? Wird Informationspraxis so attraktiv das es gegenüber anderen Blogs bestehen kann? Derzeit hat das Projekt auch dieser Richtung sehr starken Support doch was macht die Zeitschrift wirklich besser? Die Antwort ist ein Klassiker: eine Qualitätskontrolle.

Qualitätskontrolle Wie gestaltet man eine effiziente Qualitätskontrolle für ein deutschsprachiges Bibliotheksjournal? Meiner Meinung kann double blind Peer Review hier nicht die befriedigende Antwort sein. Fast alle Experten zu einem bestimmen Themenfeld in der deutschsprachigen Community kennen sich bzw haben sogar schon einmal zusammengearbeitet, so das wesentliche Kritikern für die Unabhängigkeit der Reviewer in den aller meisten Fällen nicht gegeben sein werden. Zum anderen halte ich es für sehr unwahrscheinlich wie bereits oben ausgeführt das aufgrund der beschränken Anzahl von Autoren das man so viele Einreichungen erhält das ein echter Auswahlprozess stattfinden kann.

Unabhängigkeit Ein letzter kleiner Kritikpunkt bevor ich zu den Chancen des neuen Ansätzen übergehe. Auf der Webseite heißt es: “Die Zeitschrift arbeitet unabhängig von einzelnen Bibliotheken, Hochschulen oder Berufsverbänden.” Problem ist das auch ein Verein nie völlig unabhängig ist. Er wird immer geprägt von den Mitgliedern und dem Vorstand. Es muss also klar seiner ist hinter dem Verein und was ist sein Ziel. Dies ist derzeit noch nicht der Fall, es wird nur gesagt das “Betrieben wird Informationspraxis vom gleichnamigen Verein mit Sitz in der Schweiz.”

Die Chancen Auch wenn das neue Journal sicher viele Hürden zu überwinden hat so gibt es doch mehrere erfreuliche neue Ansätze:

  1. Ein klares Bekenntnis zu CC-BY. Es wird höchste Zeit das Open Access in Bibliothekarische Zeitschriften nicht nur den Aspekt der freien Zugänglichkeit abdeckt. Es bleibt zu hoffen das auch alle Autoren reif für diesen Schritt sind. In der Vergangenheit sind mit öfter Autoren begehet die eine restriktivere Lizenz bevorzugt hätten.
  2. Die rein elektronische Veröffentlichung: Es wird nach wie vor zwar noch auf eine Heftstrucktur referenziert jedoch könnte sich das Journal auch in Zukunft zu einer artikelbasierten Platform wie PLOS One wandeln.
  3. Eine bereite Unterstützung der Community – wenn diese anhält und es sich nicht nur um ein kurzzeitiges Feuer handelt, kann dies am meisten helfen die von mir angesprochenen Herausforderungen zu meistern.

Auch wenn man nach meinen kritischen Kommentaren einen anderen Eindruck gewonnen haben könnte, ich wünsche dem Projekt viel Erfolg und werde auch selber zumindest kurz beim Treffen in Bremen vorbei schauen wo wir sehr gerne auch meine Kommentare persönlich diskutieren können.

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