Die Onleihe macht mit dem Spruch “Bibliothek 2.0 - Der Sprung in die digitale Medienwelt” Werbung. Da muss ich natürlich etwas genau hinsehen. Doch was ich sehe ist eine “Digitale Bibliothek 0.5″. Es handelt sich um eine exakte 1:1 Übertragung der analogen Bibliothek ins digitale Medium. Hierauf weiß Christian Hasiewicz (Bibliothekarischer Direktor der DiViBib GmbH) auch sehr schön in seinem Kommentar bei netbib hin:
“Bibliotheken betreiben schon seit Jahrhunderten „Rights Management“ (ohne das „Digital“), indem sie Benutzungsordnungen haben und Medien nicht verschenken, sondern unter gewissen Nutzungsbedingungen zur Verfügung stellen.”
Genau wie bisher (im analogen Bereich) kann man nur so viele Medien ausleihen wie die Bibliotheken gekauft hat (De:bug bezeichnet dies treffend als Mangelwirtschaft, man könnte es auch als künstliche Verknappung bezeichnen). Mit neuen Möglichkeiten des digitalen Mediums hat das wenig zu tun, außer das man jetzt von einem 24 h Service in Netz profitieren kann.
Ich frage mich, was soll daran 2.0 sein? Als dann letztens jemand in den Wikipedia Artikel “Bibliothek 2.0″ Spamlinks zu den Angeboten der Firma “DiViBib GmbH” eingestellt hat, konnte war es an der Zeit, das ganze etwas genauer zu untersuchen.
Vergleichen wir doch mal die Definition von Bibliothek 2.0 im Wikipedia Artikel mit dem Angebot “onleihe”:
“Der Begriff der Bibliothek 2.0 (engl. “Library 2.0″) ist bislang nicht eindeutig definiert und beinhaltet zum Teil kontrovers diskutierte Konzepte und Vorstellungen. Konsens herrscht weitgehend, dass die Bibliothek 2.0 grundsätzlich auf den Benutzer und seine Vorstellungen, Wünsche, Erwartungen ausgerichtet ist.
Einigkeit besteht ebenfalls überwiegend dahingehend, dass die Bibliothek 2.0 auf bestimmte, dem so genannten Web 2.0 zugeschriebene Grundprinzipien wie Partizipation, Kollaboration, Interaktion bzw. einfach Zwei-Wege-Kommunikation zurückgreift. Diese wurden durch die weite Verbreitung rückkopplungsfähiger und auf Vernetzung ausgerichteter Kommunikationstechnologien, besonders durch die so genannte Soziale Software, zu einem allgemeinen Kommunikationsphänomen im Internet.” (Quelle Wikipedia)
Nun untersuchen wir die angesprochenen Punkte:
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Einbindung des Bibliotheksnutzers: Es gibt minimale Möglichkeiten Medien zu bewerten mit 1-5 Sternen, keine Funktion die auch nur nirgendwo ermöglicht das ein Soziales Netzt entstehen könnte. Ganz nebenbei, dass solche Bewertungen ohne Kommentare auch sehr nichtssagend sind da man nicht nachvollziehen kann, wie diese Bewertung entstanden ist.
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Offene Kommunikations- und Vernetzungsmöglichkeiten: Hiervon kann nicht einmal weitgehendst die Rede sein. (DRM macht’s unmöglich)
- Web 2.0: Auch nichts was im entferntesten damit zu tun hat
Ich frage mich wirklich warum ein solcher Service sich 2.0 nennt, wahrscheinlich weil es modern ist. Aber man darf sich dann auch nicht wundern, wenn man an diesem beanspruchten Label gemessen wird. Bibliothek 2.0 ist eben nicht ein Begriff, den man unreflektiert zum Marketing verwenden sollte, da er auch Verpflichtungen mit sich bringt.
Mal ganz abgesehen davon, das die Aussage von Herrn Hasiewicz:
Ohne den DRM-Schutz würde derzeit kein einziger Verlag oder Inhalteanbieter den öffentlichen Bibliotheken ein einziges digitales Medium zur Verfügung stellen.
einfach falsch ist.
Einige Gegenbeispiele:
* Lawrence Lessig: Code 2.0
* Die wunderbare Wissensvermehrung (erschienen bei Telepolis)
* Festschrift Prof. Umstätter
Keines dieser Werke ist übrigens im Angebot der Onleihe zu finden.
Nicht das der Eindruck entsteht, ich finde die Idee prinzipiell schlecht. Der Ansatz ist durchaus nicht unpraktisch, jedoch sollte man:
- auf die Vermarktung als Bibliothek 2.0 verzichten, da man diesem Anspruch nicht in geringster Weise gerecht wird
- Freie Inhalte stärker integrieren, wie Creative Commons Lizenzierte Bücher, Netlabels und freie Filme (wie Cedric und Elephant Dreams) um diese einer breiten Zahl von Benutzern bekannt zu machen
- mehr qualitativere Inhalte einstellen (gelingt auch teilweise mit dem zuvor genannten Punkt
DRM muss wohl leider zur Zeit verwendet werden, jedoch wird einer der wesentlichen Fragen sein, ob man DRM als notwendiges Übel oder als Lösung ansieht.
Eine wirkliche Lösung kann DRM meiner Meinung nach nicht sein, dies zeigt sich alleine dadurch, dass das Audio-Angebot für Millionen von Ipod Besitzern zur Zeit wertlos ist. Natürlich kann man den schwarzen Peter weitergeben und Apple wegen der nicht weiterlizenzierung des DRM Systems angehen, dies ist jedoch ein Nachteil den proprietäre Systeme mit sich bringen.
Die Frage, die man sich dann stellen lassen muss, ist, wie viel Benutzer darf man in Zukunft von den Diensten der öffentlichen Bibliotheken ausschließen, weil sie das falsche Gerät haben?
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